Blogparade – Der Blick aus meinem Fenster

20 Jun

Anlässlich der Blogparade zum Thema „Der Blick aus meinem Fenster“ von Mädchen Poesie schrieb ich diese kleine Geschichte.

Der Blick aus meinem Fenster

Ich bin auf dem Weg zu Starbucks. Ich freue mich nicht nur darauf, mir einen kleinen Becher Kaffee für drei Euro zu kaufen, sondern auch, weil ich mich wieder an meinen Lieblingsfensterplatz setzen kann. Von dort aus schaue ich direkt auf die Fußgängerzone unseres beschaulichen Städtchens.

Ich liebe es Menschen zu beobachten, mir Ihre Geschichte auszudenken, zu überlegen was sie in diesem Moment wohl gerade empfinden und fühlen, vor sich haben und hinter sich gebracht haben.

Diese junge Frau dort drüben zum Beispiel. Sie hat massenhaft Tüten dabei. Sieht nach einem gelungenen Einkauf aus. Aber was hat sie gekauft? Sind all das Anziehsachen für sie? Sind das Geschenke? Und diese große weiße Tüte aus Karton, könnte das etwa ein Hochzeitskleid sein? Heiratet sie bald? Freut sie sich darauf. Nein, sie sieht nicht zufrieden aus. Wegen der Hochzeit oder weil sie gerade ihr Konto noch weiter überzogen hat?

Gerade als ich dabei bin meine Geschichte weiter zu spinnen sehe ich diesen älteren Mann auf der Bank, in die Sonne blinzeln, er sieht traurig aus, weint er etwa? Aus der Entfernung kann ich das leider nicht erkennen. Nur das er sehr traurig aussieht und erschöpft, das ist ganz eindeutig. Sicherlich ist er ganz einsam, vielleicht ist seine Frau gestorben, keiner seiner Familienangehörigen wohnt in seiner Nähe. Er ist traurig, einsam und verzweifelt. Trotzdem rafft er sich jeden Tag auf um diesen Spaziergang zu machen. Diesen Spaziergang, den er jeden Tag mit seiner Frau gemacht hatte. Nur macht er ihn jetzt allein. Bis zu der Bank gegenüber von Starbucks, wo früher einmal der Juwelier war, bei dem die beiden ihre Hochzeitsringe gekauft haben.

Seine Frau war sicherlich schwer krank, denn ganz so alt wirkt er nicht. Wahrscheinlich waren sie schwer verliebt und er sieht nun in seinem Leben, ohne seine Frau, ohne nahe Verwandte keinen Sinn mehr. Das einzige was ihn noch munter hält sind die täglichen Spaziergänge, die ihn seiner Frau wieder etwas näher bringen.

„Oh nein, der arme Mann“ denke ich. „Er sieht so freundlich, so warmherzig aus. Vielleicht sollte ich ihn zum Kaffee einladen, er ist doch… oh Mist ertappt“. Jetzt sieht er mich an, mustert mich, lächelt sogar ein kleines bisschen. Ich bin leicht beschämt, überlege wie ich meinen Fensterplatz am schnellsten verlassen kann. Doch bevor ich meinen Fluchtplan fertig stellen konnte kommt aus dem Spielzeugladen gegenüber lauthals eine Familie herausgestürmt, die meine Aufmerksamkeit erregt. Sie laufen direkt auf den alten Mann zu. Ein junger Mann, eine junge Frau, zwei kleine Kinder und eine ältere Dame. Schnurstraks laufen sie alle in seine Richtung. Die ältere Dame legt ihre Hand auf seine Schulter, er steht auf, berührt ihre Wange und gibt ihr einen Kuss auf die Stirn.

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Eine Antwort to “Blogparade – Der Blick aus meinem Fenster”

Trackbacks/Pingbacks

  1. Ausblicke über Ausblicke! Das Fazit zur Blogparade - 8. Juli 2013

    […] Geschichten und wird ganz nebenher Zeugin einer herrlichen, unverhofften Familienzusammenführung. Aber lest selbst! . ~*~ . Aus dem Fenster blicken heißt es auch in diesem Blog, wo Patrick gerne einmal den Stift […]

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